Bald lösen wir unseren Hausstand auf. Wenn ich mich in unserer Wohnung umsehe, fühle ich mich von der Aufgabe fast überwältigt. Alles, was wir besitzen, in die Hand zu nehmen, es zu hinterfragen und ihm einen Platz zuzuweisen oder eben keinen. Es fällt mir selbst schwer, in diesem Prozess das Glück zu sehen, von dem ich schreibe. Und doch ahne ich, dass genau hier etwas Wichtiges liegt.
Es ist beängstigend und zugleich heilsam, zu wissen, dass es ein ideales Zuhause für uns nicht geben wird. Wohin wir auch ziehen, wir treffen dort auf unseren inneren Raum. Auf unsere Geschichten, auf unsere Voraussetzungen, auf das, was wir fürchten. Ein Zuhause zu schaffen heißt darum, eine Verbindung herzustellen. Eine Verbindung zwischen dem inneren Raum und dem Wohnraum.
Diese Einsicht verändert, wie ich als Innenarchitektin arbeite. Oft wird angenommen, bestimmte Materialien wirkten auf bestimmte Weise. Holz gilt als warm, vertraut und angenehm. Solche Annahmen können hilfreich sein. Setze ich sie jedoch voraus, ohne sie zu hinterfragen, übergehe ich den inneren Raum des Menschen, dem der Raum begegnet. Gestalte ich für einen bestimmten Menschen, beginne ich deshalb nicht mehr bei Material oder Form. Ich beginne bei seinem inneren Raum.
Durch die Arbeit an diesem Übergang hat sich für mich ein übergeordnetes Ziel herausgeschält. Ich arbeite auf eine Atmosphäre von Zuhause hin, die unserer Identität entspricht und uns im Innersten stärkt. Ich suche kein perfektes Haus. Ich suche ein stimmiges, eines, in dem innerer und äußerer Raum einander entsprechen.
Dort, wo gestalteter Raum und innerer Raum einander entsprechen, entsteht die Möglichkeit der Stimmigkeit. Die Möglichkeit für eine Atmosphäre, die unserem Selbst entspricht, sich mit ihm verbindet und uns im Innersten stärkt. Dafür muss im inneren Raum achtsam Platz gefunden werden, auch für das, von dem wir uns im Außen trennen wollen. Manches dürfen wir dabei vergessen. Ein befreiendes Vergessen, kein Verdrängen.
Wenn wir ankommen, am anderen Ende der Welt, geht es nicht um ein perfektes Zuhause. Es geht um ein Zuhause, das genügt, das inneren und äußeren Raum zusammenbringt und die Tür für Neues öffnet. Denn was von einem Raum bleibt, wenn der Ort verschwindet, ist der innere Raum. Vielleicht ist Gestaltung am Ende genau das. Ein Weg, ein Zuhause zu finden, das uns entspricht, wohin wir auch gehen.